| 15.05.2010 Udo Jung macht Autobauer flott |
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Professor aus Langendernbach sorgt dafür, dass neue Fahrzeuge schneller entwickelt werden
Dornburg-Langendernbach. Wenn er mit der «Original Waldbrunner Blaskapelle» auf der Bühne steht, dann ist er «der Udo, der hier die Klarinette spielt und auch mal den Taktstock schwingt». Wenn man sich aber in den Entwicklungsabteilungen von Autokonzernen umhört, dann kennt man ihn als «Professor Dr.-Ing. Udo Jung». In dieser Branche ist Udo Jung, der aus Fussingen stammt und in Langendernbach wohnt, kein Unbekannter. Denn Jung hat einen erheblichen Anteil daran, dass die Entwickler bei den heute sehr kurzen Modellzyklen der Autoindustrie mithalten können.
Rechnen spart Laborzeit
«Früher wurden in rund sechs Jahren neue Modelle entwickelt. Heute muss das in zwei Jahren funktionieren», erklärt Jung. In diesen engen Zeitplan passen die langwierigen und teuren Versuchsreihen nicht mehr hinein, mit denen früher Bauteile im Labor unter den Bedingungen der Dauerbelastung im Fahrzeugbetrieb erprobt wurden. Für dieses Problem hat Udo Jung eine Lösung entwickelt: ein spezielles Berechnungsverfahren, mit dem sich die Lebensdauer von Bauteilen im Einsatz voraussagen lässt.
Udo Jung, geboren 1964, hat nach dem Abitur 1984 an der Hadamarer Fürst-Johann-Ludwig-Schule an der Technischen Universität (TU) Darmstadt Maschinenbau studiert. Nach einer Zwischenstation in Frankfurt kehrte er als Doktorand nach Darmstadt zurück; zu Professor Karl Heinz Kloos, der aus Limburg stammt. Damals arbeitete und forschte Jung an der Materialprüfungsanstalt und dem Institut für Werkstoffkunde der TU. «Wenn etwas zu Bruch geht, dann stellt sich die Frage, wer daran Schuld ist und wer gegebenenfalls zahlen muss», fasst Udo Jung die Arbeit des Instituts zusammen.
Er selbst spezialisierte sich aber nicht auf Schadensfälle, sondern auf die Festigkeit von Bauteilen im laufenden Betrieb und legte zu diesem Thema 1996 seine Promotion ab. Dabei entwickelte er das Rechenverfahren, mit und an dem er bis heute arbeitet. «Schnell stellte sich heraus, dass dieses Verfahren bei der Autoindustrie sehr gefragt war», blickt Udo Jung zurück. Nach seiner Promotion meldeten sich zahlreiche Autofirmen und luden ihn ein, um Näheres über seine Entwicklung zu erfahren. Schließlich bekam Udo Jung 1999 ein Angebot von Opel, und er wechselte in das internationale technische Entwicklungszentrum des Autobauers in Rüsselsheim.
Jede Woche im Betrieb
Doch Rüsselsheim blieb nicht seine letzte berufliche Station. Eigentlich hatte es sein Doktorvater, Karl Heinz Kloos, dem jungen Forscher schon vorausgesagt: «Die Hochschule wäre auch etwas für Sie.» Bei Opel kam Udo Jung in Kontakt mit Diplomanden der Fachhochschule (FH) Gießen-Friedberg, die er im Unternehmen betreute. Bald folgte ein Lehrauftrag. Einmal in der Woche lehrte er Friedberg «Betriebsfestigkeit». Schließlich fragte ihn der ausscheidende Professor Dr. Wolfgang Messer, ob er seine Nachfolge übernehmen wolle. Jung sagte zu und seitdem 2005 das formale Besetzungsverfahren beendet war, forscht und lehrt er hauptberuflich an der FH im Fachgebiet Leichtbau, Konstruktion und Betriebsfestigkeit. «Ich habe sehr viel Spaß an Forschung und Lehre, bin aber fast jede Woche irgendwo in einem Betrieb, um Studenten zu betreuen, die dort ein Praktikum absolvieren», sagt Jung.
Mittelstand im Blickpunkt
Ein weiteres Projekt, das ihm am Herzen liegt, ist die Umsetzung seiner Verfahren zur Betriebsfestigkeit aus der «großen» Autoindustrie auch für kleinere und mittlere Unternehmen. Beispielsweise arbeitet er mit der Arnold-Gruppe aus Weilburg zusammen, die Anlagen für die Glas- und Siliziumindustrie baut, und mit dem Automobil-Zulieferer Linde und Wiemann aus Dillenburg. Udo Jung ist auch in der Transmit GmbH aktiv, die die mittelhessischen Hochschulen und weitere Partner aus der Region gegründet haben und die Wissenschafts-Dienstleistungen für Firmen anbietet. «Ein Mittelständler hat vielleicht drei oder vier Mal im Quartal ein Projekt, für das er weitergehende Berechnungen braucht. Für ihn lohnt es sich nicht, eigens einen Ingenieur einzustellen. Da kommt Transmit ins Spiel, das diesen Auftrag übernimmt», erklärt Udo Jung den Ablauf. Insbesondere für jüngere Forscher hat das den Vorteil, dass sie an konkreten Projekten arbeiten können. «In der Praxis zu arbeiten, ist besser als für Klausuren zu lernen», sagt Jung.
Der Blick auf den Mittelstand und den Praxis habe sich bewährt. Udo Jung führt ein Forschungsprojekt an, das er gestartet hat, und in das Mercedes, Opel sowie Linde und Wiemann eingebunden sind. «Die Autokonzerne haben inzwischen das Potenzial erkannt, die Berechnungsmethoden aus ihren Entwicklungsabteilungen auch bei ihren mittelständischen Zulieferern anzuwenden», erklärt Udo Jung. Um das Verwirklichen dieses Ziels geht es in dem aktuellen Forschungsprojekt; und auch um die Verbindung von Forschung, Praxis und Nachwuchsausbildung: «Ich habe das Projekt auf der Hannovermesse präsentiert. Dort waren zwei junge Mitarbeiter dabei. Die Messe war für sie eine vollkommen neue Erfahrung. Sie waren begeistert.»
An der Klarinette
In seiner Freizeit macht Udo Jung etwas ganz anderes: «Musik mit Leib und Seele.» Bei den «Original Waldbrunnern» spielt er Klarinette und wirkt als stellvertretender Dirigent. Im Musikverein Langendernbach hilft er gelegentlich aus, und auch seine drei Kinder sind blasmusikalisch aktiv. Im Langendernbacher Kulturverein arbeitet er mit und in der Schulkonferenz der Fürst-Johann-Ludwig-Schule. Seine Frau Judith ist Vorsitzende des Fördervereins der Schule. Ganz und gar lässt die Technik Udo Jung aber auch am Wochenende nicht los. «Wenn am Haus was zu machen ist, greife ich natürlich erst einmal selbst zu Werkzeugkasten und Akkuschrauber.» vt 


Quelle: www.nnp.de (o.g. Datum) 
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