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24.02.2017 Überlebende des Wehrmacht-Massakers von Marzabotto: „Der Krieg war schuld“


 

Geschichtsunterricht zum Anfassen: Eine Überlebende des Massakers von Marzabotto berichtete Schülern der Fürst-Johann-Ludwig-Schule von den Greueltaten der deutschen Wehrmacht in dem norditalienischen Ort Marzabotto am Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

Hadamar. Anna Rosa Nannetti war 14 Monate alt, als fast ihre gesamte Familie ermordet wurde. Sie überlebte das Massaker von Marzabotto. Was ihr von der Flucht und der Ermordung ihres Vaters, ihrer Großväter und Onkel erzählt wurde, berichtete die heute 74-Jährige bei einem Geschichts-Projekttag in der Fürst-Johann-Ludwig-Schule. Und sie sagte, dass sie keinen Hass auf Deutschland empfunden habe. „Meine Angehörigen waren so schlau, mir zu sagen, dass nicht Deutschland, sondern der Krieg schuld am Tod meines Vaters war.“

 

In den Tagen zwischen dem 29. September und 1. Oktober 1944, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, ermordeten deutsche Wehrmachtssoldaten in der Stadt Marzabotto (Emilia Romagna) insgesamt 770 Zivilisten. Die Opfer waren vor allem ältere Menschen, Frauen und Kinder. Anna Rosa Nannetti verlor fast ihre ganze Familie: ihren Vater Guido Sabatino, ein 35-jähriger Beamter der Finanzpolizei, die Großväter Adolfo Nannetti und Antonio Vava und Onkel. In der Nacht, als die deutschen Soldaten in der Kaserne blieben, sei ihre Mutter mit ihr und ein paar weiteren Ortsbewohnern in die Berge geflohen, berichtete Anna Rosa Nannetti. Doch sie sei krank gewesen, habe eine Hals- und Ohrenentzündung gehabt und laut vor Schmerzen geschrien. Als die Flüchtlinge im Dunkeln hörten, dass sich Soldaten näherten, habe sich ihre Mutter selbstlos von der Gruppe getrennt, damit das weinende Kind nicht alle in Gefahr bringt. Doch Mutter und Tochter hatten Glück: Die Soldaten waren Alliierte.

 

Im Dezember 1944 entschied Annas Mutter, mit dem Kind weiter zu fliehen. Die Überquerung des Flusses Monte Salvaro im Stockdunkeln bei starkem Hochwasser sei sehr gefährlich gewesen, doch sie und die anderen aus ihrem Dorf wollten nach Grizzana, in der Hoffnung, dass sie es von dort aus ins Flüchtlingslager nach Florenz schaffen. Anna Rosa Nannetti erzählt: „Im Flüchtlingszentrum wurde ich schließlich von einem tüchtigen Arzt behandelt. Doch die schmerzerfüllten Monate, die ich durchlebt hatte, hatten mich so geschwächt, dass ich der Diphtherie nichts entgegenzusetzen hatte.“ Das Mädchen wurde als Notfall in ein Krankenhaus eingewiesen, mehrere Monate später erst geheilt entlassen. Bei Tante Lea und Onkel Alfredo fanden sie und ihre Mutter dann Aufnahme. Dort wuchs das Mädchen auch auf, ihre Mutter musste Geld verdienen.

 

Traumatisiert

 

Die Erlebnisse, vor allem auch die häufige Trennung von der Mutter, hätten sie traumatisiert, sagte Anna Rosa Nannetti. Sie sei ihrer Mutter aber dankbar dafür, dass sie das Geschäft wieder aufgebaut und ihrer Tochter ein Studium ermöglicht habe. Ihre Mutter starb früh. Sie wurde nur 59 Jahre alt.

 

Nannetti erzählte, dass in ihrem Viertel in Marzabotto keine Frauen und Kinder getötet worden seien. Aber eines Morgens seien alle Männer geholt und in einen Stall gebracht worden. Junge Männer seien als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt worden, ihr Vater und ihre Großväter seien am 1. Oktober 1944 erschossen worden. Offenbar habe ihr Vater seinen Vater noch stützen wollen, aber ein SS-Mann habe ihn mit einem heftigen Schlag mit dem Gewehr auf den Kopf davon abgehalten. Ihr Vater habe sich schwerverletzt in ein Transformatorenhäuschen flüchten können, dort sei er dann verblutet. Wenigstens habe er im Frühjahr 1945 im Familiengrab beigesetzt werden können. Die meisten anderen Opfer seien von der Wehrmacht einfach in den Kanal geworfen worden. Dass die Männer nicht einmal eine anständige Beerdigung bekamen, mache sie heute noch traurig.

 

Die Historikerin Monika Engel war in die Schule gekommen, um den Schülern die Hintergründe zu vermitteln. Sie berichtete von den Absprachen zwischen Adolf Hitler und dem italienischen Duce Benito Mussolini, zunächst seien sie sich nicht in die Quere gekommen, weil Hitler nach Osten wollte und Mussolini den Mittelmeerraum beanspruchte. Als Italien einen Kursschwenk vollführte, wurden aus Partnern über Nacht Feinde. Erschreckend sei aber, dass in diesem Fall auch Zivilisten in solch großer Zahl ermordet worden seien, sagte Engel. Das sei aus strategischen Gründen erfolgt, um den Gegner moralisch zu zerstören, indem man ihm seine Familie als Rückzugsort nimmt.

 

Quelle: Nassauische Neue Presse vom 24.2.2017


 
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