| 800 m über „Sähähä“ - Oder wie ein Mathe- LK den Spuren Rübezahls folgte |
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Die Osterferien waren noch nicht ganz vorüber, die Schokoladeneier aus den Tagen davor lagen noch im zu diesem Zeitpunkt nüchternen Magen, da sollte die Fahrt beginnen: Der Mathe- LK der Jahrgangsstufe 12 hatte sich zusammen mit ihrem Tutoren Herr Grasse Tschechien (genauer: Spindleruv Myln im Riesengebirge) als Ziel seiner Abschlussfahrt ausgedacht. Einigen scheint dies ein ungewöhnlicher Aufenthaltsort für eine Studienfahrt zu sein, doch wir hatten unsere Gründe dafür: Zum einen berichtete uns unser Tutor schon im voraus von den preiswerten Möglichkeiten, dort seinen Durst zu löschen (Halber Liter Bier= 10 Kronen= 0,50 DM!!!) und zum anderen mussten „wir Mathematiker“ uns etwas Besonderes einfallen lassen, um dem Lehrauftrag der Schulleitung nachzukommen. Eine neue Verordnung nämlich lässt es nicht zu, eine ganze Woche (na ja, hier nur 4 Schultage) mal ohne jegliche Lernerei genießen zu können; vielmehr soll diese Studienfahrt, wie der Name schon sagt, dazu genutzt werden, zu studieren, was heißen soll, die im Unterricht erworbenen Fähigkeiten anzuwenden und auszubauen. Ein Deutsch- oder Geschichte- LK hat es da leicht: Man fährt in eine antike Stadt und erörtert, interpretiert und analysiert die Bauwerke von A bis Z.
Aber wir als Mathe- LK??? Zuerst hatten wir den Einfall, einen Segeltörn auf dem Mittelmeer zu machen und dabei zu berechnen, wie viel Kubikmeter Wasser es enthält und wie lange 19 Männer und 4 Damen bräuchten, dasselbe Volumen an Bier zu trinken. Doch dank Herrn Grasses Eigenschaft als Informatiklehrer hatten wir schnell die Lösung für unser Problem gefunden: 5 von Schülern gestellte Computer sollten die Reise mit uns in den Osten antreten, sodass in einem hoteleigenen Konferenzraum von Computer- Insidern eine Homepage erstellt werden konnte; die Nichtinformatiker sollten die textlichen Vorlagen liefern.
Mit diesen Voraussetzungen und voller Neugier auf das für die meisten unbekannte Terrain ging es dann dienstags nach den Ferien um sieben Uhr los, mit der Annahme in ca. 10 Stunden das anvisierte Ziel zu erreichen. Doch falsch! Aufgrund der schlechten Verkehrslage und Straßenzustände Tschechiens war es nicht nur unmöglich, unsere randvoll gefüllten Blasen in die buseigene Toilette zu entleeren (jeder Treffer glich einem Wunder), sondern brauchten wir noch 2 Stunden länger für unsere Fahrt. Wegen eines Durchfahrverbots mussten wir die Richtung ändern und unser Glück auf anderen Wegen suchen. Mit Hilfe einiger tschechischer Straßenkinder fanden wir es auch und kamen um ca. 19:30 Uhr dort an, wo wir uns nun 6 Nächte ganz wie zu Hause fühlen sollten: Im Drei Sterne-Sport-Hotel „Arnika“( Schwimmbad, Sauna, Solarium, Massage, Friseur, diverse Sportmöglichkeiten, etc.). Schnell die Computer aufgebaut, Zimmer bezogen, und dann ging es ab zum ersten Abendessen: Einem Buffet, das man mit tschechischen Worten als „appetittlicz“ bezeichnen würde, bevor man sich in allabendlicher Runde zuerst im angemieteten „Salonek“(=Konferenzraum) und dann in Grüppchen auf den Zimmern versammelte (anbei meist etwas zum Würfeln und zum „Dorschtlösche“).

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 Unser Hotel
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 Auf der Hinfahrt
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Am Mittwoch war eine „kleine Wanderung“ zur Schneekoppe (bekannt aus der TV- Werbung) dem höchsten Berg des Riesengebirges vorgesehen. Die Strecke von unserem Aufenthaltsort jedoch war etwas zu weit und so starteten wir nach dem Frühstück in einem original tschechischen Bus den Weg in Höhen, die selten vor uns ein Mensch erklommen hat. Doch auch in Tschechien halten 20 Jahre alte Kleinbusse nicht alles aus und so kam es, dass wir, 17 Schüler, 4 Schülerinnen und 2 Lehrkörper (neben Herrn Grasse begleitete uns Herr Hölzer), zusammen mit einigen anderen Touristen von Busfahrer „Otto“(?) mitten in der Wildnis zwischen Bäumen und Schnee aus dem Bus geschmissen wurden, da dieser sich keinen Meter mehr bewegen wollte. Trotz des Versuchs einiger Motorenkenner unserer Gruppe den Schaden zu beheben waren wir nun dennoch (oder gerade vielleicht deswegen) auf Hilfe aus der Zivilisation angewiesen; und die nahte wenig später in Form eines „Ski- Busses“. Mit ca. 40 Mann an Bord (etwa das Doppelte der zugelassenen Personenzahl) ging es dann die letzten Meter im 1. Gang und mit ungefähr 10 km/h hinauf zum Startpunkt unserer (Tor-) Tour.

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 "Otto" und Walter Hölzer
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 Warten auf den neuen Bus...
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Einige Probleme unserer „Arbeitsgruppe Navigation“, unter der Leitung des vertretenen Lehrerkollegiums, die nicht wusste, in welche Richtung denn nun loszulaufen sei, wurden von der gut gelaunten Gruppe schnell vergessen, und so begann ein Marsch, an den jeder von uns noch lange denken wird. Während wir uns anfangs noch Lappalien wie Steinchen im Schuh oder glitschige Steine bei einem Anstieg von über 35% beschwerten, mussten wir einige Meter höher mit wesentlich schlechteren Voraussetzungen kämpfen: 2m hoher Tiefschnee und plötzlich auftauchende Moorgebiete ließen keinen von uns unterhalb der Knie trocken und sauber bleiben. Als „Wanderkönig“ Grasse dann auch noch mit einem freudigen Grinsen feststellte, dass wir nach der geplanten Zieleinlaufszeit erst gut ein Drittel erreicht hätten und unser Ziel doch schon zu sehen sei (stimmt, am Horizont war eine kleine Erhebung zu erkennen), verwandelte sich bei einigen die Freude am Wandern in Ehrgeiz, den anderen seine Kondition zu beweisen und ja keine Schwäche zu zeigen. So kam es besonders beim Endspurt (der direkte Anstieg zur Spitze der Schneekoppe) zu einigen Überholmanövern, um doch der Erste und somit Beste zu sein. Selbst Sportlehrer „Walter-The Tiger-Hölzer“ musste dabei Plätze einbüßen und kam noch nicht einmal unter die „Top- Ten“.

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 Auf dem Weg zur Schneekoppe
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 Blick auf die Schneekoppe
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Nach einer kurzen Verschnaufpause schienen dann nun doch wieder die Lebensgeister in allen zu erwachen. Doch wer jetzt glaubte, die Strapazen des Tages seien überstanden, der hatte geirrt. Auf einer Seilbahn( mehr Seil als Bahn!) ging es dann zurück ins Tal, nur leider auf die falsche Seite, ca. 40 km von unserem Hotel entfernt. Und so kam es, dass wir auf dieser Strecke in die Kunst des tschechischen Taxi- bzw. Autofahrens eingeweiht werden durften... Die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/ h in Ortschaften scheint es gar nicht erst zu geben oder sie wird nicht beachtet; außerorts sind dem Geschwindigkeitsrausch keinerlei Grenzen gesetzt. Dank einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/ h waren wir dann schon nach 20 Minuten zurück im Hotel. Als Andenken anbei hatten wir neben den platschnassen Socken auch alle einen Sonnenbrand (bei einigen sogar Brandverletzungen 3. Grades!) von der Höhensonne. Dieser konnte die Stimmung am Abend nur bei wenigen trüben, die zum Beispiel mir einer Quarkmaske das Bett hüteten. [zum Seitenanfang]




Donnerstags wartete die Hauptstadt der Tschechischen Republik (für Erdkunde- Desinteressierte: Prag!) auf uns. Mit der Hoffnung, wirklich alle Informationen über die Stadt an der Moldau zu erhalten, wurde auch sogleich ein ortskundiger Tscheche engagiert. Jarozlav, ein kleiner Greis um die Siebzig, vermochte es leider nicht, uns irgendetwas Wissenswertes über Prag und seine Bauten zu erzählen, diente aber aufgrund seines Wortschatzes(„Sähähä“- tschechisch oder deutsch?) der allgemeinen Belustigung. 
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 Blick von der Karlsbrücke zum Hradschin
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 Daniel
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Im Mittelpunkt des Interesses stand an diesem Tag aber vielmehr die Suche nach den billigsten (besser: preiswertesten) und größten Mittagessen. Sebastian „Vaclav“ Reimann bewies dabei die beste Nase (Übung macht den Meister!) und bezahlte für eine Riesen- Portion mit Getränken und Trinkgeld gerade einmal 115 Kronen(= 6 DM!!!). Dieser Tag ging ohne schwerwiegende Anstrengungen vorüber, und so hatten wir alle noch genügend Kräfte für den Abend. Diejenigen, die nicht an den nächtlichen Computersessions teilnahmen, versammelten sich zum größten Teil auf einem der Zimmer, um über die von (Dennis) Beul- Ahlbach gestellte „Ghostbusterfrage“ zu diskutieren. Obwohl wir noch so viel überlegten und ein Tequilla nach dem anderen den Weg durch unsere trockenen Kehlen fand; die Frage, was passiert, wenn jemand seine Seele zweimal verkauft, konnte niemals geklärt werden. Nichtsdestotrotz, die Nacht wurde lustig, der Alkohol verfehlte seine Wirkung nicht und so hatte Zimmerbewohner Christoph Giebeler seine Arbeit, die nicht mehr zu bändigenden Drei (Dennis) Beul- Ahlbach, Timo“Büffel“ Wagner und Christian“Boit“ Biet vom endgültigen Abriss sämtlicher Einrichtungen abzuhalten und eine Eskalation zu verhindern. [zum Seitenanfang]




Die mittlerweile getrennt schlafenden Lehrkörper (Herr Grasse zog um, weil Herr Hölzer zu laut schnarchte!) mussten Wind von diesen nächtlichen Aktionen bekommen haben und beschlossen so, jenen für den nächsten Tag vorzubeugen, indem die geplante Wanderung durch die Felsen von Adrspach ein wenig ausgedehnt wurde. Die vielfältige Landschaft des Riesengebirges wurde uns näher gebracht, indem wir durch riesige Felsen mit Namen wie „Großmutters Stuhl“( igitt!) kletterten. Für eine Strecke, die angeblich in 1 ½ Stunden zu bewältigen sei, brauchten wir mehr als doppelt so lang (lag es an uns oder der tschechischen Zeitrechnung?). Da noch ein Besuch der nächstgrößeren Stadt Trutnov auf den Plan stand, unterbrachen wir die Tour vorzeitig (eher vorstreckig) und orderten den Bus per Handy zu uns. Die Hauptattraktion in Trutnov waren die Preise: Eine Stange Zigaretten kostete 450 Kronen(= 25 DM), Six-Pack Bier fast geschenkt und mit Vaclavs Hilfe konnten auch wieder preiswerte Mahlzeiten ausfindig gemacht werden. 
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 Felsen von Adrspach
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 Felsen von Adrspach
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Der nächste Tag stand ganz im Zeichen eines weiteren Stadtbesuchs. Statt eines Reiseführers, wie unser guter Jarozlav, führte uns unser Klassenkamerad Matthias Schmidt durch Hradec Kralove und zeigte uns einige Besonderheiten der Stadt. Um 12 Uhr knurrte dann einigen der Magen und wir ließen uns mit allen Mann in einer Pizzeria nieder, mit der Hoffnung, das billigste Essen der letzten 3 Tage zu entdecken. Das war ein großer Fehler! Nach fast 2 Stunden Wartezeit auf Pizzen und Pasten waren uns selbst die Preise egal, der Hunger nahm überhand und so kam es nicht selten zu Diskussionen mit tschechischen Kellnern, die urplötzlich kein Deutsch mehr verstehen wollten. Fazit: Die Größe der Portionen war unter tschechischem Durchschnitt, die Preise darüber und der Service unterhalb sämtlicher Toleranzgrenzen für Schüler, die noch mitten im Wachstum stecken. Ab ging´s, zurück ins Hotel!  [zum Seitenanfang]




Das Wochenprogramm war hiermit absolviert, allein die Computerexperten hatten noch ihre Pflichten (Fertigstellung der Homepage); der Sonntag stand zur freien Verfügung. Kleinere Gruppen starteten früh morgens zu „Hardcore- Mountainbiking“, „Normalsterblichen- Mountainbiking“ oder Wandern; der Rest ging den Tag ganz ruhig an, schlief sich erst mal aus und nutzte dann die attraktiven Fitnessmöglichkeiten des Hotels. Der Abend war vom Abschiedsschmerz beeinflusst, richtig lustig konnte es nicht mehr werden, denn für Montag, den 1. Mai, um 6 Uhr war die Abreise angesetzt. Mit tschechischen Lunchpaketen im Rucksack sicherte sich jeder einen gemütlichen Platz im Bus, um wenigstens ein paar Stunden schlafen zu können, denn am Dienstag wartete schon wieder die Schule auf uns. Einigen gelang dies trotz metertiefer Schlaglöcher auf tschechischen Strassen (Autobahnen?), andere mussten mit ihrer Müdigkeit weiterkämpfen. Mit den Tücken des Riesengebirges nun vertraut, fanden wir unseren Heimweg schneller als den Hinweg und fielen so bereits um 17 Uhr den an der Schule wartenden Eltern, Freunden und Geschwistern in die Arme.
Abschließend wäre zu sagen, dass keiner von uns die Erinnerungen an diese Fahrt missen möchte, und dass es doch empfehlenswert ist, manchmal neue Wege zu beschreiten: Der Osten hat auch seine Reize, es muss nicht immer die Toskana sein.
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[Kathrin Ackermann & Christian Biet] 



 Einige InformationenHotel:
Arnika
(3 Sterne, Schwimmbad, Sauna, Mountenbikeverleih usw. Doppelzimmer mit Bad, Fernseher Telefon, pro Nacht im Doppelzimmer inkl. Halbpension 55 DM)
Labska 111
54351 Spindlermühle
fon: 0042 0438 493117
fax: 0042 0438 493145
Wir haben das Hotel über ein Reisebüro gebucht. Da die Hotelleitung sehr gut deutsch spricht, empfiehlt sich auch eine telefonische Direktbuchung.
Bus: (für die Pragfahrt)
Rübezahl-Reisen
Alena und Thomas Pavovi
54301 Vrchlabi
fon/fax: 0042 0438-421 374
Kosten für 7 Tage: ca. 550 DM (im Hotel inkl. Halbpension und allen Ausflügen)

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