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Bau einer Igelburg (Herbst 2002)

Es berichten Julian Heun und Daniel Scherer aus der Klasse 9eR

 

Nachdem wir im Herbst 2002 im Wahlpflichtunterricht Ökologie die zahlreichen Nistkästen an unserer Schule gereinigt und die Belegung dokumentiert hatten, haben wir im Unterricht über weitere Hilfsmöglichkeiten für „Tiere auf Wohnungssuche" im Umfeld des Menschen wie Haus und Garten gesprochen. Neben Wandbegrünung, Totholz- und Steinhaufen wurde im Unterricht auch über Igelhilfen informiert. Da unser Schulgelände ein idealer Lebensraum für Igel ist (Hecken, Streuobstwiese, Blumenwiese und Feuchtbiotope), schlug unser Lehrer Herr Christ vor eine „Igelburg" in der Streuobstwiese anzulegen.

 




Bauplan aus: Naturschutz in der Gemeinde (Informationsheft des BUND)

Übersicht

Beschreibung des Baus
Bilder
Nützliches zu Igeln
Überwinterung im Freien

Beschreibung des Baus

 

Nach der Wahl eines geeigneten Standorts (Streuobstwiese) haben wir zuerst einen Erdhügel aufgeschüttet (Erde vom einem Teichbau im letzten Jahr). Hierbei mußte eine weite Strecke von fast 200m mit dem Schubkarren bewältigt werden. Darauf wurde dann noch eine Sandschicht aufgebracht. Der Igel oder die Igeljungen sollen ein trockenes Nest haben.

Statt einer Steinhöhle haben wir eine Behausung aus wetterfestem Schalholz mit einem Schutz aus Teichfolie gewählt, die aus Gründen der Festigkeit mit Ziegeln umbaut wurde.

Darüber schichteten wir dann eine dicke Laubschicht. Die nächste Schicht bestand aus Gehölzschnitt (Obstbäume) und zum Abschluß folgte eine dicke Schicht stacheliger Brombeerranken als Schutz vor Feinden.

Nun hoffen wir im Sommer auf eine Igelfamilie als Mieter und sind sicher, daß auch Vögel als Untermieter einziehen.

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Bilder


Aufschütten des Erdhügels


Sandschicht


Einmauern mit Ziegeln


Aufschichten des Laubes


Zulieferer


Schutz mit Brombeerranken
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Nützliches zu Igeln

 

Igel sind mit Maulwürfen und Spitzmäusen verwandt, sie kommen in Europa, Asien und Afrika vor. Auf dem Rücken tragen die Echten Igel (zu dieser Unterfamilie gehört unsere in Mitteleuropa heimische Art) lange, starre und nadelspitze Stacheln; das Fell der Unterseite ist weich. Echte Igel sind durchschnittlich etwa 13 bis 30 Zentimeter lang, ihre Farbe variiert von hellbraun bis schwarz. Sie haben spitze Schnauzen, kleine Augen, kurze Beine und einen rudimentär ausgebildeten Schwanz.

 

Wenn ein Igel bedroht wird, rollt er sich mit Hilfe einer besonderen, kräftigen Rückenmuskulatur ein. Zieht er diese Muskulatur zusammen, so umschließt sie praktisch den ganzen Rumpf, und die Stacheln zeigen in alle Richtungen. Igel leben in naturnahen Gärten mit Sträuchern und Hecken, wo sie Versteckplätze und Nahrung finden, sowie in Wäldern und Parks. Sie kommen erst nachts heraus, um zu jagen, und fressen Insekten, Würmer, Frösche, Schlangen, Mäuse und Vogeleier. Die europäischen Igel halten Winterschlaf, doch ist dieser nicht sehr tief. Gelegentlich wachen sie auf und kommen aus ihrem Unterschlupf hervor, um Nahrung zu suchen. Zwischen Juni und September wirft ein Weibchen bis zu zweimal Junge, wobei jeder Wurf aus zwei bis zehn Nachkommen besteht. Nach einem 1999 erschienenen Bericht der Fachzeitschrift New Scientist übertragen europäische Igel zahlreiche Krankheiten wie Leptospirose, Salmonelleninfektion und Tuberkulose, die auch für den Menschen gefährlich werden können; insbesondere Kinder sollten daher keine Igel anfassen. Auch vor diesem Hintergrund ist das ökologisch ohnehin nicht vertretbare künstliche Überwintern von Igeln im Haus abzulehnen.

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Überwinterung im Freien

 

Normalerweise sucht sich der Igel einen ungestörten, windgeschützten Platz zur Überwinterung aus. Ideale Quartiere sind beispielsweise hohle Bäume, verlassene Kaninchennester, Reisigberge, Holzstösse, Hecken, Baumstümpfe, dichtes Gebüsch, Kompost- und Laubhaufen. Da diese rar geworden sind, weil viele Gartenbesitzer Laub und Reisig im Herbst bereits verbrennen um den Garten penibel sauber zu halten, weichen Igel auf andere Möglichkeiten aus. Winterschlafende Igel kann man deswegen häufig in Gartenhäuschen, Schuppen oder Scheunen beobachten oder unter denselben. Oft verkriechen sie sich auch in Kellerschächten, die den geeigneten Windschutz bieten.

Hat der Igel einen perfekten Platz zum Überwintern gefunden, so sammelt er Laub, Gras und Moos zusammen, wobei Laub den größten Anteil ausmacht. Wenn genügend Material beisammen ist, dann buddelt sich der Igel in die Mitte des Haufens und dreht sich bis ein kugelförmiger Innenraum entstanden ist, der ca. Igelgröße besitzt. Das gesamte Winterschlafquartier kann einen Durchmesser von etwa 50cm erreichen. Die durchschnittliche Innentemperatur beträgt zwischen 1° und 5°C, selbst bei extremen Außentemperaturen. Dadurch erkennt man, was für eine gute Isolationswirkung dieser Bau hat. Diese Isolation wird durch das Drehen des Igels um die eigene Achse und das Herumtrampeln erzielt, wodurch die Blätter fest zusammen gepresst werden, die Stacheln wie eine Bürste wirken und die Blätter am Ende wie Schuppen aufeinander liegen. Die gesamten Bauarbeiten benötigen ungefähr zwei Nächte, können aber auch bis zu einer Woche andauern.

Lebensvorgänge bei der Überwinterung

Der Igel ist der einzige Insektenfresser, der Winterschlaf hält. Im Herbst frisst er sich einen Fettvorrat an, um den Winter heil durchzustehen. Wann er dann mit dem Winterschlaf beginnt, hängt mit dem Wetter, dem Gewicht und dem Nahrungsmangel zusammen. Erwiesen ist lediglich, dass sich dickere Igel eher in ihr Winterquartier zurück ziehen als dünne oder kranke Tiere, die soviel Zeit wie möglich nutzen, um noch etwas Speck anzufressen. Bleibt die Durchschnittstemperatur längere Zeit unter 10-15°C, dann beginnen die ersten Igel mit vorhandener Bereitschaft mit dem Winterschlaf.

Vor dem Winterschlafbeginn nimmt der Igel zwei Tage keine Nahrung zu sich, um den Darm zu entleeren.

Beim Winterschlaf läuft alles anders ab, als beim aktiven Igel. Die Körpertemperatur sinkt ab und nähert sich den Umgebungstemperaturen, während sie im Normalzustand 35°C beträgt. Kurz bevor die Temperaturen unter den Nullpunkt sinken wird die Körpertemperatur wieder etwas erhöht. Die Körpertemperatur sinkt niemals unter 4-5°C ab. Die Stoffwechselvorgänge werden reduziert und zwar auf etwa 1-5% der Normalwerte. Die Atmung wird ebenfalls von 40-50 Atemzügen pro Minute auf 3-4 vermindert. Das Herz schlägt auch langsamer, statt 170-200 mal pro Minute nur noch 2-12 mal. Atmung und Herzschlag setzen gelegentlich sogar für einige Minuten komplett aus. Die Verdauungsvorgänge laufen langsamer ab und Nervenimpulse werden nicht mehr so schnell weitergegeben wie beim wachen Igel. Alle diese Veränderungen lassen den Igel wie tot erscheinen. Sinkt die Außentemperatur allerdings unter einen Minimumwert, dann wird der Igel durch ein Alarmsystem geweckt, damit er nicht erfriert.

 

Trotz der herabgesetzten Körperfunktionen benötigt der Igel Brennstoff, den er aus den angefressenen Fettreserven bezieht. Man unterscheidet hierbei weißes und braunes Fett. Das weiße Fett, das als Fettreserve unter der Haut gespeichert wird, dient zur Energieversorgung im Winterschlaf. Unter der Schulterhaut besitzt der Igel zwei orange-braune Fettlappen, die das braune Fett beinhalten und zum Aufwachvorgang im Frühling benötigt werden. Das braune Fett ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass ein Igel, dessen Körpertemperatur unter 4°C abzusinken droht aufwacht und somit nicht erfriert.

Wie viel Gewicht der Igel letztlich für den Winterschlaf braucht, hängt von sehr vielen Faktoren, wie dem Wetter oder dem Zustand des Igels ab. Insgesamt verbraucht er zwischen 15-40% seines Gewichts. Schläft der Igel ohne Unterbrechung, werden beim Aufwachen alle Körperfunktionen reaktiviert und übersteigen die normalen Werte eines aktiven Igels. Die Herzschläge können einen Wert von 325 Schlägen pro Minute erreichen und die Atemfrequenz liegt bei 72 Zügen. Dies ist ca. 3-4 Stunden nach dem Erwachen der Fall. Indessen wird die Körpertemperatur erhöht und der Igel entrollt sich wieder. Beim Aufwachen innerhalb des Winterschlafes, hervorgerufen durch Störungen wie zu warme oder kalte Temperaturen oder andere störende Einflüsse, wird die Körpertemperatur wieder auf die Normaltemperatur erhöht. Läuft der Igel in etwas angeschlagenem Zustand durch die Gegend, liegt das daran, dass er nichts zu fressen findet. Er hat nur die Wahl zwischen Verhungern und Erfrieren. Der Aufwachvorgang benötigt jedoch sehr viel Energie, so dass ein zu häufiges Aufwachen zum Verhungern führt.


Hadamar, den 20.03.2003

 

Fotos: Gerhard Christ


 
Fachbereich Ökologie
Einführung in das Fach

Baumpflanzaktion (11/08)

Bitterling und Teichmuschel (Juni 2006)

Unsere Streuobstwiesen (September 2005)

"Wilde Tiere" auf dem Schulgelände (Juli 2004)

Nisthilfen an unserer Schule (April 2004)

Fischtreppe am Elbbach (März 2004)

Schulgelände (früher-heute) (Mai 2003)

Restaurierung des Teiches (April 2003)

Bau einer Igelburg (Herbst 2002)

Rückblick auf 2002


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