| 26.05.2004 Deutschland wird für alte Lehrer getadelt, doch Schulleiter argumentieren anders |
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[g] Unterrichts-Qualität der Schulen in Gefahr
Limburg-Weilburg. Die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OECD) sieht in den Altersstrukturen der deutschen Lehrerkollegien (siehe Box) ein Problem für den Bildungsstandort und erwartet von den politischen Entscheidungsträgern größere Kontinuität in der Einstellungspolitik von Lehrern und vor allem kürzere Ausbildungszeiten mit mehr Praxisorientierung. Schulleiter im Landkreis Limburg-Weilburg betrachten das Thema differenzierter und meist weniger pessimistisch. Zum einen ist in ihren Kollegien eine Überalterung nicht in dieser Form anzutreffen, zum anderen empfinden sie diese nicht automatisch als Nachteil.
Rudi Holzhäuser, stellvertretender Schulleiter der Fürst-Johann-Ludwig-Gesamtschule in Hadamar, glaubt, dass bei vielen seiner Kollegen längst das «lebenslange Lernen» normal geworden ist. Junge Lehrer müssten ihre frischen Ideen aus der Uni mit der Unterrichtswirklichkeit abgleichen. «Nach ein paar Jahren gleichen sich Theorie und Praxis an – unabhängig vom Alter». Für wichtiger hält der 53 Jahre alte Holzhäuser ohnehin die Inhalte, nicht die Methoden . Das deutsche Schulsystem müsse sich eher eine Frage nach seiner Effizienz gefallen lassen.
Auch Walter Lottermann – pädagogischer Leiter der Taunusschule in Bad Camberg – beziffert den Altersschnitt der Lehrerschaft auf deutlich unter 50 Jahre. Durch den organisatorischen Umbau mit der Einführung der gymnasialen Oberstufe sei das Kollegium jünger geworden. Die Tendenz gehe zum einen ins gymnasiale Lehramt, zum anderen sei eine Feminisierung des Lehrerberufs augenfällig. Aber auch für Lottermann sind Altersfragen sekundär. «Der Lehrer muss wissen, ob er Biologie oder Schüler unterrichtet», formuliert er seine Kritik an der Ausbildung. Soll heißen, das Lehramtsstudium müsse «von der Intellektualität runter und mehr eine didaktische Ausrichtung bekommen», um mit den Schülern im Gespräch zu bleiben. Zumal an die Lehrer immer mehr flankierende Aufgaben herangetragen werden wie Sozialarbeit, Rechtsberatung oder Gewaltprävention. Das führe gerade bei älteren Lehrern häufiger zu Überlastungen, Sozialarbeiter für diese Aufgaben hält Lottermann aber für kaum bezahlbar.
An Entlastungen glaubt auch Günter Daniel, Konrektor der Johann-Christian-Senckenbergschule Runkel und Villmar, nicht. Durch die Stunde Mehrarbeit, die die hessische Landesregierung allen Lehrern verordnet hat, sieht er Neueinstellungen geblockt. Besonders im Grundschulbereich sieht er schlechte Beschäftigungschancen für junge Lehrer. An der Senckenbergschule sind 40 Prozent der Grundschullehrer unter 35 Jahren alt, während in der Real- und Hauptschule mit 55 Prozent der Schwerpunkt bei den 35- bis 50-Jährigen liegt. «Ich halte es für gut, wenn das Kollegium altersmäßig gut gemischt ist », so Daniel.
An der berufsbildenden PPC-Schule in Limburg haben sich die Altersstrukturen in den vergangenen Jahren relativ stark verändert. Schulleiter Heinz Metternich verweist auf den «Absturz» des dualen Ausbildungssystems, den die Berufsschulen auffangen mussten. Der Einstellungsschub habe viele junge Lehrkräfte gebracht, worauf Metternich auch großen Wert legt: «Die Methoden und Inhalte in Fächern wie Informationstechnologie haben sich doch in den letzten fünf Jahren vollständig geändert.»
In eine ähnliche Richtung argumentiert Jochen Nagel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Auch wenn ältere Lehrkräfte wegen ihres Erfahrungsschatzes wichtig seien, hält er die gegenwärtige Verteilung für «ungesund». «Schulen müssen die Lebenswirklichkeit abbilden», so Nagel, und junge Lehrer hätten in der Kommunikation mit Jugendlichen immer Vorteile. Da Deutschland bei den Ausbildungsausgaben im internationalen Vergleich hinterher hinkt, befürchtet Nagel Einbußen bei der Qualität öffentlicher Schulen und die Abwanderung in private. Dabei sei es eine «soziale Aufgabe», allen die gleiche Bildung zu ermöglichen. Für Nagel noch ein hartes Stück Arbeit – im Kreis Limburg wie in ganz Deutschland. (als)



Quelle: www.nnp.de (o.g. Datum) 
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