| 02.06.2004 Christlich-jüdische Gesellschaft |
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Katholik gesucht
Limburg. «Die Existenz Eurer Gemeinschaft und Euer Schaffen sind eines der zentralen Ereignisse in meinem Leben und ich bin Euch dankbar dafür.» Diese Zeilen hat Efraim Benhar (79) an die Limburger Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) geschrieben. Aus dem Brief des Mannes, der im Jahr 1935 von den Nazis aus dem Diezer Waisenhaus für jüdische Kinder vertrieben wurde und heute in Rehovot (Israel) lebt, zitierte die Vorsitzende der Christlich-jüdischen Gesellschaft, Christa Pullmann, zu Beginn der jüngsten Mitgliederversammlung. Die Zeilen des Mannes, der, wie Pullmann sagt, zunächst sehr reserviert gegenüber der Limburger Vereinigung auftrat, geben den Männern und Frauen, die sich seit 1992 für die Kontaktpflege zu jüdischen Mitbürgern und den Dialog zwischen den Religionen einsetzen, Bestätigung.
Die Pläne des Vereins in diesem Jahr stellte die Vorsitzende vor: Kommenden Sonntag werden 14 Jugendliche, hauptsächlich Schüler der Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar, und zehn Erwachsene aus ganz Deutschland zu einer Fahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz aufbrechen. Die Zeitzeugin Orna Birnbach, Ehrenmitglied der GCJZ Limburg, berichtet im September in sechs Schulen der Region über ihre Erlebnisse im Dritten Reich. Im November wird ein Buch über die jüdischen Gemeinden Weyer und Münster vom 17. Jahrhundert bis zu ihrer Zerstörung 1940 erscheinen, Herausgeber ist die GCJZ Limburg mit Christa Pullmann und Eugen Caspary. Außerdem sind im November Gedenkfeiern und Lesungen über das Judentum im Nassauer Land geplant. Die ehemalige Synagoge in Schupbach wird laut Pullmann derzeit von einem Architekten vermessen, der in Kürze einen Kostenvoranschlag für deren Restaurierung machen wird. Die Sanierung und Nutzung des Gebäudes, unter anderem als Vereins- und Ausstellungsraum, könne noch in diesem Jahr anlaufen, hofft die Vorsitzende.
Außerdem sollen in diesem Jahr Gedenktafeln, die an jüdisches Leben erinnern, unter anderem in Frickhofen und Langendernbach installiert werden. An der Aarbrücke in Diez soll eine Stele angebracht werden. Dr. Lothar Schmitt-Homann, Schatzmeister des Vereins, regte für die heimische Region so genannte «Stolpersteine» an, Messingschilder am Boden, die über ehemalige Wohnhäuser jüdischer Bürger informieren. Die stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der GCJZ wünschte sich Hannelore Hingott. Christa Pullmann unterstützte diesen Vorschlag, gab aber zu bedenken, dass junge Leute selten bereit seien, sich an einen Verein zu binden. Veranstaltungen für Schüler, wie die Kino-Vorführungen im «Cineplex», will die Organisation auf jeden Fall weiter anbieten.
Sorge bereitet der GJCZ derzeit das Amt ihres katholischen Vorsitzenden. Christel Manemann stellte sich in der Mitgliederversammlung, wie angekündigt, aus Altersgründen nicht wieder zur Wahl. Einen Nachfolger gibt es bislang nicht. «Schade für das katholische Limburg», kommentierte Christa Pullmann, die selbst einstimmig in ihrer Doppelfunktion als evangelische und geschäftsführende Vorsitzende bestätigt wurde. Einig war sich die Versammlung auch bei den übrigen Vorstandsmitgliedern: Emil Lukin bleibt jüdischer Vorsitzender, Dr. Lothar Schmitt-Homann Schatzmeister. Neue Schriftführerin und gleichzeitig Pressereferentin ist Ingrid Hoin-Radkovsky. Der erweiterte Vorstand setzt sich aus Siglinde Berg, Franz Gölzenleuchter, Elena Kopirowskaja, Ilse Langschied und Erika Preukschat zusammen. Neue Kassenprüfer sind Hannelore Hingott und Hermann Heep.
Auch die langjährige Forderung der 170 Mitglieder starken jüdischen Gemeinde Limburg nach einem Bet-Raum kam in der Mitgliederversammlung zur Sprache. «Die jüdische Gemeinde ist räumlich zersplittert», klagte Christa Pullmann und machte klar, dass sie deren Pläne, das Gebäude der Freien evangelischen Gemeinde in der Birkenallee zu übernehmen, unterstütze. Die Verhandlungen seien jedoch Sache des Jüdischen Landesverbandes Hessen und nicht der GCJZ. Hannelore Hingott gab zu bedenken, dass die Schaffung von Integrationsräumen auch Aufgabe des Kreises und nicht nur der Stadt Limburg sei. (jfl)



Quelle: www.nnp.de (o.g. Datum) 
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