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25.06.2004 Max Broszio stehen alle Labortüren offen

 

Von Alexander Schramm

 

Hadamar.Max Broszio ist ein junger Mann, dem alles zuzufallen scheint. Das Abitur hat er mit gerade 18 Jahren an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar nach Überspringen der zwölften Klasse mit Bestnote von 1,0 gebaut. Doch das scheint bei seinen übrigen Interessen so etwas wie die angenehmste Nebenbeschäftigung der Welt gewesen zu sein. Der Abiturient aus Oberweyer hat im vergangenen Jahr den Landespreis von «Jugend forscht» im Fach Physik gewonnen, er leitet die Naturwissenschafts-AG und die Informatik-AG der Gesamtschule, begeistert sich für alte Sprachen, hat das Hebraicum und das Latinum und lernt jetzt russisch.

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«Dadurch, dass unsere Schule so groß ist, kann man hier viel machen», dankt der Musterschüler erst einmal artig seinen Lehrern. «Doch man muss auch über den Tellerrand hinausschauen», sagt er und tut es als Co-Trainer beim Karate-Verein-Limburg oder als begeisterter Segelflieger, der noch im Sommer seinen Flugschein machen möchte. Dass er noch keinen Pkw-Führerschein hat, verwundert da fast, doch auch für einen Max Broszio ergibt sich irgendwann ein Zeitproblem. Die Krone einer ganz und gar außergewöhnlichen Biografie setzt aber sein geistliches Amt als Prädikant an der evangelischen Kirche in Hadamar auf, wo er schon Sonntag-Gottesdienste geleitet hat.

 

Wie hat er bei all’ diesen zeitintensiven Interessen den so gefürchteten Abi-Stress überstanden? «Ich lerne eigentlich zu wenig», sagt Max Broszio mit der kleinen Einschränkung, für die Abitur-Prüfungen doch ausnahmsweise ein wenig mehr gemacht zu haben. «Wenn man in der Schule aufpasst, geht es schon.» Ob das ein Tipp ist, auf den sich künftige Abi-Anwärter verlassen können? Schon eher auf die Aussage: «Ich gehe locker ran, man darf keine Panik haben.»

 

Angst hat er auch nicht vor großen Versuchen in seinem Spezialgebieten Chemie und Physik, wo er gemeinsam mit seinem Freund Frank Schäfer ais Hünfelden – der bei der Firma Aventis im Industriepark Höchst Chemielaborant ist – vor nichts zurück schreckt. Nach ihren preiswürdigen Versuchen mit Keramiken in einer Mikrowelle bei 2000 Grad, wo ihnen ein israelischer Professor nach wesentlich längerer Vorbereitung nur um wenige Tage ein Patent wegschnappte, geht es beim neuesten Projekt um die Gewinnung von Benzin aus Kunststoffen. Genaueres ist streng geheim – vielleicht klappt es dieses Mal mit dem Gang zum Patentamt. In der Schule, wo er Schlüsselgewalt hat, aber auch an der Frankfurter Goethe-Universität, wo er durch einen Schüler-Workshop Kontakte knüpfte, stehen Max Broszio praktisch jetzt schon alle Labortüren offen.

 

So ist sein beruflicher Weg auch schon weitgehend festgelegt. Zwischen den beiden deutschen Top-Universitäten im Fachbereich Chemie hat er sich für Marburg «wegen der schöneren Stadt» gegenüber Jena entschieden. Dorthin wird ihn auch seine Freundin Nadine aus Bad Soden am Taunus begleiten, die er an der Frankfurter Universität kennen gelernt hat. Auch dafür hat seine Zeit also noch gereicht.

 

Seine Zukunft sieht er in der Lehre und in der Forschung. «Beim Unterrichten macht es Spaß, die leuchtenden Augen der Schüler zu sehen», sagt er und gibt zu, seine Schule mit einer Träne im Knopfloch zu verlassen. Die schnell abzuzählenden fachlichen Mitstreiter in der Naturwissenschafts-AG und die Zusammenarbeit mit Lehrerin Irmtraud Niederle seien ihm doch sehr ans Herz gewachsen, zumal sich dort einige Talente herauskristallisiert hätten. Doch in der Schule sei das Unterrichten auf Dauer immer dasselbe, fürchtet der 18-Jährige , deswegen sähe sich der junge Forscher lieber an einer Hochschule und er wäre nicht der zielsichere junge Mann, wenn ihm nicht konkret die Berufung zum Universitäts-Professor vorschweben würde. Dann bräuchte er sich auch um das liebe Geld keine Gedanken machen, mit dem er bisher gar keine Beziehung haben möchte: «Ich habe selbst für meine Nachhilfen nichts genommen.»

 

Für das Studium in Marburg spricht für Max Broszio ein weiterer Grund. In einer Großstadt wie Frankfurt würde er nicht leben wollen, dort fehle ihm das Grün. Deswegen könne er sich auch gut vorstellen, irgendwann auch wieder fest in seiner Heimat Oberweyer zu leben. «Ich liebe dieses Dorf. Man muss sich auch mal in eine Wiese legen können, um ein bisschen nachzudenken.» Ob an Patente oder doch eher an Freundin Nadine, das bleibt Max’ Geheimnis.

 

 




Quelle:  www.nnp.de (o.g. Datum)


 
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