| 11.01.05 „Ich finde Rauchen bescheuert“ |
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Hadamar. «Rauchen finde ich abscheulich und eklig. Ich werde später nie rauchen. Warum? Ich habe es selbst erlebt, wie meine Großtante langsam am Rauchen gestorben ist. Sie hat so viel geraucht, dass sie ein Raucherbein bekam. Erst wurde ihr rechter, dann ihr linker Fuß amputiert. Sie konnte jetzt nur mit Krücken gehen. Mit 45 Jahren ist sie dann gestorben.» Vier Schüler schilderten gestern in der vollbesetzten Aula der Fürst-Johann-Ludwig-Schule ihre Erfahrungen mit dem Rauchen und Nichtrauchen. Der zwölfjährige Dirk teilt die Meinung von Eva: «Ich finde Rauchen bescheuert, weil man viel schneller krank wird und eine schwarze Lunge davon bekommt. Deshalb ist es gut, dass das Rauchen an Schulen abgeschafft wird. Unser Klassenraum liegt über dem Raucherhof. Da stinkt es praktisch in jeder Pause. Auch in den Umkleidekabinen und der Sporthalle stinkt es nach Rauch.»
«In der Schulzeit beginnen 50 Prozent der Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr mit dem Rauchen. Damit ist die Nikotinprävention an den Schulen grundlegend für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche. Wir müssen es erreichen, die Rate der Rauchanfänger in der Schulzeit zu senken», lautet der Appell von Oberstudienrat Hubert Hecker, der als «Motor» des bereits zum vierten Male stattfindenden hessenweiten Nichtraucher-Klassenwettbewerbes gilt, der gestern in der Fürst-Johann-Ludwig-Schule eröffnet wurde. 43 Prozent der Neunt- und Zehntklässler in Hessen rauchen, davon 32 Prozent täglich und elf Prozent mehr als zehn Zigaretten pro Tag. Dieses erschreckende Resultat der europäischen Vergleichsstudie hat die Hessische Kultusministerin Karin Wolf bewogen, zum 1. Januar ein generelles Rauchverbot an allen hessischen Schulen zu erlassen.
Der Start des Anti-Raucher-Wettbewerbs zeige, dass das Thema Gesundheitserziehung an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule einen hohen Stellenwert einnehme. «Wir lassen Worten Taten folgen», sagte der stellvertretende Schulleiter Rudi Holzhäuser, der stolz darauf ist, dass von der Hadamarer Schule ausgehend in ganz Hessen Schüler für die Anti-Raucher-Kampagne mobilisiert werden konnten. So nehme die Idee einer gesundheitsfördernden Schule auf vorbildliche Weise praktisch Gestalt an.
Leitgedanke des Wettbewerbes ist die Selbstverpflichtung der Schüler über fünf Monate keinen Glimmstängel anzufassen. Also auch außerhalb der Schule und in den Ferien wird nicht geraucht. Dieser Selbstvertrag wird wöchentlich auf einem Kontrollbogen neu dokumentiert. Nach 22 Wochen werden die Klassen, die durchgehalten haben, mit einer kleinen Geldzuwendung belohnt. Im letzten Jahr gingen über 700 hessische Klassen an den Start, im vierten Durchgang sind es 780 Klassen.
Die nächste pädagogische Stufe, so Hubert Hecker, bestehe darin, die Schüler/innen zu Nichtraucher-Aktivisten zu machen. So wird eine fünfte Klasse eine Briefaktion an die Bürgermeister des Hadamarer Landes starten, damit die Kinderfastnachtsveranstaltungen endlich rauchfrei werden. Die wirkungsvollste Art der Nichtraucherwerbung sei es jedoch, sich in den Cliquen, bei Freunden für das Nichtrauchen stark zu machen, appellierte Hecker abschließend an die Schülerinnen und Schüler.
Schulamtsdirektorin Claudia Engelhardt bezeichnete den Wettbewerb als einen Meilenstein einer nachhaltigen Nikotinprävention und wünschte den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern Durchhaltevermögen bei ihrem Verzicht auf das Rauchen. Der Leitende Schulamtsdirektor Martin Daus überbrachte die Grüße von Kultusministerin Karin Wolff, die wegen Terminüberschneidungen nicht in Hadamar anwesend sein konnte. (wu) 


Quelle: www.nnp.de (o.g. Datum) 
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