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15.01.02 14000 Schüler wollen nicht mehr rauchen

 

Hadamar/Frankfurt. Mit dem Start des ersten landesweiten Nichtraucher-Klassenwettbewerbs wollen rund 14000 hessische Schüler fünf Monate lang auf den Griff nach der Zigarette verzichten. „Ziel ist es, den Zigarettenkonsum in der besonders gefährdeten Altersgruppe der 12- bis 14-Jährigen zu verringern und so späteren Raucherkarrieren vorzubeugen“, sagte Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) in Hadamar. 580 Klassen an 252 Schulen haben sich für den Wettbewerb angemeldet.

 

Unter dem Motto „Klasse ist rauchfrei. Rauchfrei ist klasse“ hat der Lehrer Hubert Hecker aus Hadamar den Wettbewerb ins Leben gerufen. „Wir wollen vor allem das Nichtraucher-Bewusstsein stärken, die Jugendlichen sollen sich klar gegen das Rauchen entscheiden“, sagte der Landesbeauftragte für den Nichtraucher-Klassenwettbewerb. Etwa 35 Prozent der 12- bis 25-Jährigen griffen regelmäßig zur Zigarette. Je jünger die Jugendlichen beim „Nikotineinstieg“ seien, desto schwieriger sei auch das Aufhören. Fast zwei Drittel der erwachsenen Raucher hätten im Alter von 12 bis 14 Jahren angefangen. Daher müssten besonders die Nichtraucher „stark gemacht“ werden.

 

Wer früh mit dem Rauchen anfängt, wird leichter vom Glimmstängel abhängig, ist anfälliger für andere Drogen und sogar für Ängste oder Depressionen. Das sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT), der Tübinger Mediziner Anil Batra. „Nicht-Rauchen positiv besetzen“, hält er für das beste Mittel, Kinder und Jugendliche vom Griff nach der Zigarette abzuhalten. „Mit gesundheitsbezogenen Warnungen kommt man bei Kindern und Jugendlichen nicht weit. Das ist für die viel zu weit weg.“ „Vom Vorbild lernen ist ganz zentral“, berichtete Ministerialrat Christian Luetkens vom Gesundheitsministerium in Wiesbaden. „Wo Eltern rauchen ist das Risiko, dass die Kinder anfangen, ungleich höher als bei nichtrauchenden Eltern.“

 

Bei dem Wettbewerb solle nicht „moralisiert“ werden, die Schüler sollten sich vielmehr selbstständig mit den gesundheitlichen Folgen des Rauchens auseinander setzen, sagte Wolff. „Das wird auch zu Streit in den Klassen führen, zu einer Entscheidung jedes Einzelnen und zum Willen, diese Entscheidung durchzuhalten.“ Zwar sei der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, doch würden die Schüler immer jünger. „Das Gravierende ist, dass das Einstiegsalter für Tabak mittlerweile bei zehn Jahren liegt.“

 

Für ihr Durchhaltevermögen werden die Schüler der Jahrgangsstufen sechs bis acht mit Geldpreisen belohnt. Zur Kontrolle müssen die Klassen einen Bogen ausfüllen, in dem sie jede einzelne „Rauchsünde“ aufschreiben. „Die ganze Klasse muss sich zum Nichtrauchen verpflichten, und jeder einzelne muss sich ebenfalls verpflichten“, sagte Hecker.

 

Konsequenzen für die „Raucherecken“ an den Schulen habe der Wettbewerb aber nicht, sagte Heker. Mit einer Einwilligung der Eltern könnten 16-Jährige in der Schule rauchen. „Aber natürlich sind auch Jüngere in der Raucherecke – das kann von der Aufsicht nur praktisch nicht kontrolliert werden.“ Der WAT-Vorsitzende Batra kritisiert: „Raucherecken haben eine doppelte Botschaft: Einerseits wird in der Schule vor den Gefahren des Rauchens gewarnt, andererseits kann es ja nicht so schlimm sein, wenn dort geraucht werden darf.“ Ministerialrat Luetkens meint dagegen, vielen Schulen fehle es an Möglichkeiten, etwas gegen das Rauchen unter 16-Jährigen auf dem Schulhof zu tun, weil sie so mit Sozialleistungen überfrachtet seien.

 

Bei den Schülern an der Gesamtschule in Hadamar sind die Reaktionen auf den Wettbewerb gemischt. „Rauchen stinkt und ist ungesund – und es ist überhaupt nicht cool, sondern abartig“, meinen die 13 Jahre alte Lisa und ihre gleichaltrige Freundin Hannah. Dennis und Waldemar dagegen, die schon seit zwei Jahren rauchen, haben trotz des Wettbewerbs nicht vor, ihren Zigarettenkonsum einzuschränken. „Da wird uns doch was aufgezwungen – schließlich ist es doch meine Lunge“, sagen die beiden 14-Jährigen.

 

 


 

(Überregionaler Teil)

 

Nichtraucher-Wettbewerb gestartet

 

Hadamar/Frankfurt (dpa) Mit dem Start des ersten landesweiten Nichtraucher-Klassenwettbewerbs wollen rund 14.000 hessische Schüler fünf Monate lang auf den Griff nach der Zigarette verzichten. «Ziel ist es, den Zigarettenkonsum in der besonders gefährdeten Altersgruppe der 12- bis 14-Jährigen zu verringern und so späteren Raucherkarrieren vorzubeugen», sagte Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) am Montag in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg). 580 Klassen an 252 Schulen haben sich für den Wettbewerb angemeldet.

 

Unter dem Motto «Klasse ist rauchfrei. Rauchfrei ist klasse» hat der Lehrer Hubert Hecker aus Hadamar den Wettbewerb ins Leben gerufen. «Wir wollen vor allem das Nichtraucher-Bewusstsein stärken, die Jugendlichen sollen sich klar gegen das Rauchen entscheiden», sagte der Landesbeauftragte für den Nichtraucher-Klassenwettbewerb. Etwa 35 Prozent der 12- bis 25-Jährigen griffen regelmäßig zur Zigarette. Je jünger die Jugendlichen beim «Nikotineinstieg» seien, desto schwieriger sei auch das Aufhören. Fast zwei Drittel der erwachsenen Raucher hätten im Alter von 12 bis 14 Jahren angefangen. Daher müssten besonders die Nichtraucher «stark gemacht» werden.

 

Wer früh mit dem Rauchen anfängt, wird leichter vom Glimmstängel abhängig, ist anfälliger für andere Drogen und sogar für Ängste oder Depressionen. Das sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT), der Tübinger Mediziner Anil Batra, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). in Frankfurt. «Nicht-Rauchen positiv besetzen», hält er für das beste Mittel, Kinder und Jugendliche vom Griff nach der Zigarette abzuhalten. «Mit gesundheitsbezogenen Warnungen kommt man bei Kindern und Jugendlichen nicht weit. Das ist für die viel zu weit weg.»

 

«Vom Vorbild lernen ist ganz zentral», berichtete Ministerialrat Christian Luetkens vom Gesundheitsministerium in Wiesbaden. «Wo Eltern rauchen ist das Risiko, dass die Kinder anfangen, ungleich höher als bei nichtrauchenden Eltern.» Eine gute Ich-Stärke sei zudem ein wichtiges Vehikel gegen die Versuchung, aus Peinlichkeit zu rauchen. Erfolgreich seien auch Kampagnen, die wie in Hadamar das Einstiegsalter für das Rauchen hinausschöben. «Es gibt aber keinerlei Königswege.»

 

Bei dem Wettbewerb solle nicht «moralisiert» werden, die Schüler sollten sich vielmehr selbstständig mit den gesundheitlichen Folgen des Rauchens auseinander setzen, sagte Wolff. «Das wird auch zu Streit in den Klassen führen, zu einer Entscheidung jedes Einzelnen und zum Willen, diese Entscheidung durchzuhalten.» Zwar sei der Zigarettenkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, doch würden die Schüler immer jünger. «Das Gravierende ist, dass das Einstiegsalter für Tabakwaren mittlerweise bei zehn Jahren liegt.»

 

Für ihr Durchhaltevermögen werden die Schüler der Jahrgangsstufen sechs bis acht mit Geldpreisen belohnt. Zur Kontrolle müssen die Klassen einen Bogen ausfüllen, in dem sie jede einzelne «Rauchsünde» aufschreiben. «Die ganze Klasse muss sich zum Nichtrauchen verpflichten, und jeder einzelne muss sich ebenfalls verpflichten», sagte Hecker. Konsequenzen für die «Raucherecken» an den Schulen habe der Wettbewerb aber nicht, sagte Hecker. Mit einer Einwilligung der Eltern könnten 16-Jährige in der Schule rauchen. «Aber natürlich sind auch Jüngere in der Raucherecke das kann von der Aufsicht nur praktisch nicht kontrolliert werden.»

 

Der WAT-Vorsitzende Batra kritisiert: «Raucherecken haben eine doppelte Botschaft: Einerseits wird in der Schule vor den Gefahren des Rauchens gewarnt, andererseits kann es ja nicht so schlimm sein, wenn dort geraucht werden darf.» Ministerialrat Luetkens meint dagegen, vielen Schulen fehle es an Möglichkeiten, etwas gegen das Rauchen unter 16-Jähriger auf dem Schulhof zu tun, weil sie so überfrachtet seien mit Sozialleistungen, die eigentlich die Eltern erbringen müssten.

 

Bei den Schülern an der Gesamtschule in Hadamar sind die Reaktionen auf den Wettbewerb gemischt. «Rauchen stinkt und ist ungesund und es ist überhaupt nicht cool, sondern abartig», meinen die 13 Jahre alte Lisa und ihre gleichaltrige Freundin Hannah. Dennis und Waldemar dagegen, die schon seit zwei Jahren rauchen, haben trotz des Wettbewerbs nicht vor, ihren Zigarettenkonsum einzuschränken. «Da wird uns doch was aufgezwungen, das ist doof schließlich ist es doch meine Lunge», sagen die beiden 14-Jährigen.

 


 

Frankfurter Rundschau 15.1.2002

 

"Einige Schüler sind schon mit zwölf Jahren nikotinsüchtig"

 

Initiator des ersten hessischen Nichtraucher-Klassenwettbewerbs fordert Eltern auf, viel energischer zu protestieren

 

HADAMAR. Eltern sollten nach Ansicht des Lehrers Hubert Hecker bei Jugendlichen viel energischer gegen das Rauchen vorgehen. "Häufig resignieren die Eltern, aber sie müssen unbedingt gegen das Rauchen protestieren - sonst sehen ihre Kinder gar keinen Grund mehr aufzuhören", sagte der Initiator des ersten hessischen Nichtraucher-Klassenwettbewerbs.

 

Ziel des Wettbewerbs sei, dass Jugendliche "möglichst spät" zur Zigarette greifen und damit "Raucherkarrieren" vorbeugen. Rund 14 000 Schüler an 250 Schulen wollten von sofort an fünf Monate freiwillig auf Nikotin verzichten. Über den Erfolg der Initiative macht sich Hecker keine Illusionen: "Die, die süchtig sind, kriegt man dadurch nicht weg vom Glimmstängel." Doch sollten gerade die Nichtraucher in ihrer Entscheidung bestärkt werden.

 

Bei einem Pilotprojekt an seiner Schule in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg) im vergangenen Jahr hätten von 22 Klassen immerhin 14 durchgehalten, berichtet der Geschichts- und Religionslehrer. "Erschreckend war aber, dass einige mit 12 Jahren schon nikotinsüchtig sind - sie hatten sich fest vorgenommen, nicht zu rauchen, und konnten dann einfach nicht durchhalten." 38 Prozent der 12- bis 25-Jährigen griffen regelmäßig zur Zigarette, sagte Hecker. Wenn gleich beide Elternteile rauchten, steige die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind bereits in der Pubertät anfängt, auf etwa 85 Prozent. Auch die Kinowerbung und das gesellschaftliche Ansehen von Rauchern verführten viele Jugendliche dazu, ihr Image durch den Zigarettenkonsum aufpolieren zu wollen.

 

"Raucher werden in der Öffentlichkeit als Gewinnertypen dargestellt, daher ist es höchste Zeit, das Ansehen des Rauchens zu ächten", forderte der Landesbeauftragte für den Nichtraucher-Klassenwettbewerb. Neben der Stärkung des "Nichtraucher-Bewusstseins" habe die "klassische Abschreckungs-Pädagogik" auch weiterhin ihren Platz, sagte der 54-Jährige. "Natürlich muss die Raucherlunge mit ihrem Teerschmier gezeigt werden - für die Nichtraucher ist das durchaus eine Motivation, bei ihrer Entscheidung zu bleiben." Die jugendlichen Raucher dagegen ließen die möglichen Gesundheitsschäden meist kalt: "Die lassen das einfach nicht an sich rankommen." lhe








Quelle:  www.nnp.de (o.g. Datum)


 
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