| 07.11.2005 Besinnen und Erinnern in der „Fabrik des Todes“ |
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Limburg-Weilburg. Die Herbstferien – Zeit zum Entspannen, Zurücklehnen oder für einen Kurzurlaub. Viele Menschen nutzen sie, um sich vom Arbeits- oder Schulstress zu erholen und sich in den privaten Bereich zurückzuziehen. 15 Schüler aus der Reichwein-, Tilemann-, Marien- und Fürst-Johann-Ludwig-Schule entschieden sich dieses Mal zusammen mit acht Erwachsenen für eine andere Art des Rückzugs: auf das Sich-Besinnen und -Erinnern an die Toten und Opfer aus Oswiecim, auf Deutsch: Auschwitz.
«Fabrik des Todes» wird das Konzentrationslager auch genannt. Etwa ein Fünftel aller Holocaust-Opfer sind nach heutigen Schätzungen von Forschern im Zuge des Nazi-Regimes hier umgekommen. Europäische Juden, Zigeuner, Kriegsgefangene, Behinderte, Homosexuelle und Oppositionelle wurden von den Nazis systematisch ausgeraubt, gefoltert, zu Arbeitssklaven gemacht und um ihr Leben gebracht.
Im Rahmen der deutsch-polnischen Versöhnungsarbeit und einer vom Jugendbildungswerk Kreis Limburg-Weilburg und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg organisierten Gedenkfahrt reisten die Jugendlichen mit ihren Begleitern in der ersten Herbstferienwoche nach Krakau und Auschwitz, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen und sich ein Bild von den Vernichtungsstätten der Nationalsozialisten zu machen. Die Leitung der Fahrt übernahmen Christine Kohlhaas und Christa Pullmann.
Neben der Todeslager «Stammlager Auschwitz I» und «Auschwitz II» (Birkenau) besichtigten sie die achthundert Jahre alte Stadt Oswiecim, die vor 1940 zu über siebzig Prozent von Juden aus Oberschlesien bewohnt war. Eine Mitarbeiterin von «Aktion Sühnezeichen» zeigte ihnen den jüdischen Friedhof der Stadt und die restaurierte Synagoge. Durch die Kirchen und die Stadt Oswiecims führte sie ein junger Salesianer-Bruder. In einer der Kirchen erinnerten Fresken über Häftlinge an den Nazi-Terror und das Leid der Opfer in Auschwitz.
Während ihres Aufenthaltes in Oswiecim wurden die Besucher gleichzeitig Zeugen eines Festaktes, das zu Ehren von 1200 Bewohner von Oswiecim veranstaltet wurde. Mit dem Fest und einem Buch wurden diese für ihre Hilfe an Juden geehrt. Über 7000 Polen sind in Jad Vaschem in Jerusalem als «Gerechte Völker» anerkannt. Das «Haus der Dialoge», in dem die jugendlichen Besucher und ihre Begleiter untergekommen waren, ist zusammen mit der «Internationalen Begegnungsstätte» ständig um Versöhnung, Zeitzeugengespräche und Gebete bemüht. So wurden im vergangenen Jahr drei Teilnehmerinnen aus der Hadamarer-Limburger Gruppe ausgewählt, um mit Polen durch Briefe an ehemalige Häftlinge auf der Homepage http:// www.centrum-dialogu.oswiecim.pl die gemeinsame Versöhnungsarbeit zu repräsentieren. Der Leiter des «Hauses für Dialog» weiß diesen Einsatz zu würdigen und lobte die Jugendlichen mit den Worten: «Mit tiefem Dank für Ihr herzliches Engagement der Versöhnung, des Ernstnehmens der Anderen, der Opfer».
Die Gruppe aus Limburg und Hadamar setzte nach Oswiecim ihre Gedenkfahrt mit einem Besuch der jüdischen Stadt Kaszimierz in Krakau, des ehemaligen Gettos in Podgorce und der Fabrik von Oskar Schindler fort. Ein Spaziergang durch die Krakauer Altstadt und ein Klezmer-Jazz-Konzert bildeten den Abschluss. (nja) 


Quelle: www.nnp.de (o.g. Datum) 
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