Fürst-Johann-Ludwig-Schule

Kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe

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65589 Hadamar
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    Antisemitismus-Experte zu Gast in der Aula

     

    Dr Timm 1Anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht vom 9. November 1938 lud die Gedenkstätte Hadamar zu einem Vortrag über die Geschichte und Gegenwart antisemitischer Verschwörungstheorien in den Festsaal der Vitos-Klinik Hadamar ein. In Kooperation mit der Gedenkstätte war der Literaturwissenschaftler Dr. Julian Timm auch zu Gast an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule. Er sprach mit den Schülerinnen und Schülern der Leistungskurse Geschichte über den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Verschwörungstheorien – ein wesentlicher Teil seiner Dissertation.

     

    In seinem dialogisch gestalteten, bildgestützten Vortrag klärte er mit den Zuhörern, was das Narrativ der “Jüdischen Weltverschwörung” ist und wo es herkommt. Sind Ritualmorde an Kindern und der Vorwurf der Brunnenvergiftung schon im Mittelalter feststellbare antijüdische Ressentiments, wird ab dem 19. Jahrhundert Judenfeindlichkeit erweitert um die Anschuldigung, Juden planten die Übernahme der Weltherrschaft. Diese jüngste Unterstellung einer jüdischen Verschwörung sei im 19. und 20. Jahrhundert immer wieder für antijüdische Gesetze, Agitation oder Pogrome missbraucht worden, so Dr. Timm.

     

    Als Quelle dieses Narrativs einer jüdischen Weltverschwörung stellte er den 1868 erschienenen Abenteuer- und Schauerroman “Die Geheimnisse des Juden-Friedhofes in Prag” vor, verfasst von einem deutschen Postboten unter dem Pseudonym John Retcliffe. Retcliffes Werk war bis 1945 ein Bestseller. Zwölf Vertreter der jüdischen Stämme, die sich nachts auf dem Friedhof in Prag zur Verschwörung treffen, hecken einen Plan zur Übernahme der Weltherrschaft aus. Dieser umfasst die Kontrolle der Börse, den Aufkauf von Immobilien, die Kontrolle der Schulen, eine Kapitalakkumulation und Monopolisierung, die Übernahme der Justizämter und Presse sowie die Infiltrierung von Wissenschaft, Kunst und Medizin.

     

    Die hochgradig antisemitische Wirkung werde verschärft, indem der Autor den jüdischen Figuren des Romans Aussagen aus Machiavellis “Der Fürst” aus dem 16. Jahrhundert in den Mund lege, ergänzte Timm. Diese Textzitate bezeugten eine machtbesessene und skrupellose Denkweise, die Retcliffe nicht dem Original Machiavellis, sondern einem Werk von Maurice Joly aus dem 19. Jahrhundert entnommen habe, der fiktive Dialoge zwischen Machiavelli und Montesquieu verfasst habe. Die Zuhörer erlebten, was Intertextualität bedeutet – dank der anschaulichen Darstellung Dr. Timms.

     

    Dr Timm2Diese Annahmen einer jüdischen Weltverschwörung finden sich dann auch in der vermutlich vom russischen Geheimdienst verfassten Schrift “Die Protokolle der Weisen von Zion”. Kerngedanke hier sei ebenfalls die unterstellte jüdische Gier nach Erlangung der Weltherrschaft mittels Unterwanderung aller Lebensbereiche mit Kapital. Tatsächlich wollten die Autoren, dass der Zar etwas gegen die Juden unternehme, erklärte Timm. Die „Protokolle“ fanden weltweite Verbreitung, wurden aber 1921 von einem Gericht als Fälschung identifiziert.

     

    Dennoch: Obwohl als Fälschung entlarvt, habe sich wenig an der vermeintlichen Glaubhaftigkeit geändert, sagte Timm. Die antisemitische Grundannahme einer jüdischen Weltverschwörung sei nach dem Zweiten Weltkrieg nicht verschwunden. So wurden nicht nur die „Protokolle“ immer wieder im Online-Handel angeboten, sondern Brettspiele, TV-Serien und sogar Kinderbuch-Literatur greifen - z. T. unbewusst - das Narrativ einer jüdischen Verschwörung auf und arbeiten mit dem Muster eines Kampfes Gut gegen Böse. Gegenwärtig folgten sogar Teilnehmer an Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen diesem Narrativ.

     

    Diesen Umstand nahm Timm zum Anlass, auf ein Zitat von Hannah Arendt zu verweisen, in dem die Philosophin fragt, wie es möglich sein könne, dass der Mensch einer erwiesenen Fälschung Glauben schenke.

     

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