Konzeption der Berufs- und Studienorientierung
1. Zielsetzung und Leitgedanken
Die Fürst-Johann-Ludwig-Schule Hadamar verfolgt mit ihrem Berufs- und Studienorientierungskonzept (BSO) das Ziel, ihre Schülerinnen und Schüler frühzeitig, kontinuierlich und individuell auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorzubereiten. Berufsorientierung wird dabei nicht als punktuelles Ereignis verstanden, sondern als ein fortlaufender, begleitender Prozess, der eng mit der Persönlichkeitsentwicklung verknüpft ist.
Ziel ist es, berufliche Orientierung ganzheitlich zu denken: neben der Vermittlung von Informationen über Ausbildungs- und Studienwege werden auch Selbstreflexion, die Entwicklung persönlicher Stärken, die Auseinandersetzung mit Berufswünschen und die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Entscheidung gefördert. Die Jugendlichen sollen realistische Perspektiven entwickeln, ihre sozialen und fachlichen Kompetenzen erweitern und durch gezielte Maßnahmen in ihrer Berufswahlreife unterstützt werden. Das Konzept ist spiralförmig aufgebaut: Inhalte und Methoden greifen altersgerecht aufeinander aufbauend ineinander und verbinden Theorie mit Praxiserfahrung. Dabei arbeiten schulische Fachkräfte, externe Partner, Eltern und die Agentur für Arbeit eng zusammen.
2. Umsetzungsstruktur – Jahrgangsstufenorientiert und praxisnah
Die systematische Umsetzung der Berufs- und Studienorientierung an der FJLS erfolgt entlang eines durchdachten Stufenmodells, das die Schülerinnen und Schüler von der fünften Klasse bis zum Abitur begleitet. Dabei orientieren sich die Inhalte an der jeweiligen Entwicklungsphase der Jugendlichen und greifen in drei übergeordneten Phasen ineinander. Jede Phase hat spezifische Schwerpunkte, die aufeinander aufbauen und sowohl im Unterricht als auch im Rahmen außerschulischer Aktivitäten verankert sind. Die Verzahnung von schulischem Lernen, praktischen Erfahrungen und persönlicher Reflexion bildet die Grundlage für ein ganzheitliches und nachhaltiges Berufsorientierungskonzept.
Phase 1 – Orientierung (Klasse 5–7):
- Methodentraining zur Informationsbeschaffung, Präsentation, Selbstorganisation
- Thematisierung erster Berufsbilder im Unterricht
- Projektarbeit zu eigenen Interessen und Talenten
- Entwicklung eines individuellen Kompetenzprofils
Phase 2 – Erkundung und Erfahrung (Klasse 8–10):
- Durchführung von Kompetenzfeststellungsverfahren (KomPoG)
- Bewerbungstraining im Deutsch- und Fremdsprachenunterricht (inkl. Lebenslauf, Anschreiben, Vorstellungsgespräch)
- Besuch des Jugendgerichts bzw. Einladung eines Richters zur Berufsorientierung im Rechtswesen
- Ein verpflichtendes Betriebspraktikum (Dauer: zwei Wochen)
- Strukturierte Vor- und Nachbereitung im Politik- und Wirtschaftsunterricht (z. B. Planspiele, Berufsfelderkundung)
- Teilnahme an der schulischen Bildungsmesse mit über 60 Unternehmen, Hochschulen und Institutionen
- Girls’ & Boys’ Day sowie außerschulische Berufserkundungen (Polizei, Pflege, Verwaltung, Handwerk)
Phase 3 – Entscheidung und Vorbereitung (E1–Q4):
- Informationsveranstaltungen zu Studienmöglichkeiten und Ausbildungsgängen
- Besuch der Hochschulinformationstage (JGU Mainz, THM Gießen)
- Teilnahme an Schülerlaboren, Messen (z. B. Robotermesse, Vocatium)
- Durchführung des studienfeldbezogenen Tests durch die Agentur für Arbeit
- Simulation von Assessmentcentern und Vorstellungsgesprächen (z. B. mit regionalen Unternehmen)
- Studienwahlworkshops (Was passt zu mir?) mit individuellen Beratungseinheiten
3. Kooperationen und externe Angebote
Ein wesentliches Merkmal des BSO-Konzepts der Fürst-Johann-Ludwig-Schule ist die enge Verzahnung mit außerschulischen Partnern. Durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen, Betrieben, Hochschulen und Berufsberatungsstellen wird die schulische Berufsorientierung mit praktischen Erfahrungen und authentischen Einblicken in das Berufsleben ergänzt. Diese Kooperationen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, frühzeitig Kontakte zu potenziellen Ausbildungsbetrieben zu knüpfen, berufliche Anforderungen kennenzulernen und sich aktiv mit möglichen beruflichen Perspektiven auseinanderzusetzen. Die Vielfalt und Qualität der externen Angebote trägt wesentlich dazu bei, die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu einer fundierten und reflektierten Berufswahl zu unterstützen.
- Bundesagentur für Arbeit: Persönliche Beratung durch Herrn Hacker (regelmäßige Sprechstunden, Vorträge, Einzelberatung)
- Bildungsmesse an der FJLS: Jährlich durchgeführte Schulmesse mit Firmen, Universitäten, Fachschulen, Behörden
- Regionale Wirtschaftspartner: z. B. Harmonic Drive, LKH Limburg, Magistrat Hadamar, DRK, Betriebe des Handwerks
- Berufsorientierende AGs und Projekte: Mechatronik-AG, Robotik, Zertifikatskurse (DELF), Studienorientierung in MINT
- Kooperation mit Hochschulen: Exkursionen, Fachvorträge, Projektarbeiten mit Universitäten und Hochschulen
4. Dokumentation und Reflexion
Ein zentrales Element der Berufs- und Studienorientierung an der FJLS ist die gezielte Dokumentation und begleitende Reflexion aller durchgeführten Maßnahmen. Die Schülerinnen und Schüler führen individuelle Praktikumsmappen, in denen sie Tagesprotokolle, Erfahrungsberichte und Informationen über die besuchten Betriebe sammeln. Ergänzend werden Ergebnisse aus Präsentationen im Politikunterricht oder im Rahmen von Projektwochen festgehalten.
Die Reflexion wird durch strukturierte Feedbackgespräche mit Fachlehrkräften unterstützt und durch die Erstellung von Selbstreflexionsbögen systematisch vertieft. Zur kontinuierlichen Begleitung des Prozesses wird ein Berufswahlportfolio aufgebaut – entweder in digitaler Form oder als klassische Mappe –, das alle Stationen der persönlichen beruflichen Orientierung dokumentiert und gleichzeitig als Grundlage für Beratungsgespräche dient. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern eine klare Standortbestimmung zu ermöglichen und ihre individuelle Entwicklung nachvollziehbar zu machen.
5. Beratung und schulische Ansprechpersonen
Ein weiterer zentraler Baustein der Berufs- und Studienorientierung ist die individuelle Beratung der Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Eltern. An der Fürst-Johann-Ludwig-Schule steht hierfür ein engagiertes Beratungsteam zur Verfügung, das eng mit der Bundesagentur für Arbeit zusammenarbeitet. In persönlichen Gesprächen werden Fragen zu Berufsbildern, Ausbildungsmöglichkeiten, Studiengängen, Bewerbungsverfahren und Übergangsoptionen besprochen. Die Beratung erfolgt vertraulich, bedarfsorientiert und auf Augenhöhe. Sie bietet Unterstützung bei der Entscheidungsfindung, stärkt die Eigenverantwortung und gibt Orientierung bei Unsicherheiten. Darüber hinaus werden regelmäßig Informationsveranstaltungen im Klassenverband angeboten, bei denen aktuelle Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt thematisiert werden. Die kontinuierliche und mehrjährige Begleitung stellt sicher, dass die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer Schulzeit fundierte und individuelle Berufs- oder Studienpläne entwickeln können.
Beratungen erfolgen individuell, vertraulich und sind Teil des umfassenden Unterstützungsangebots der Schule.












